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Stephan Weidner 
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Der W.
„der W.“ war einer der Spitznamen, den man dem Musiker Stephan Weidner verpasste und er hat sich über die Jahre durchgesetzt. Heute ist „der W.“ Stephans Künstlername unter dem er am 25.04.08 sein Solo-Debüt „Schneller, Höher, Weidner“ veröffentlicht. Stephan
Weidner ist seit 25 Jahren Musiker mit Leib und Seele, er ist der konsequenteste und ehrlichste Rocker, er hat gegen eine überwältigende Medienmacht gekämpft wie kein anderer und hat mit seinen Texten und seiner Musik eine immense Fangemeinde hinter sich, die ihn respektieren und verstehen. Doch beginnen wir am Anfang.
Stephan Weidner wurde am 29.05.1963 in Alsfeld bei Kassel geboren und zog kurze Zeit später mit seinen Eltern nach Frankfurt. Seine Mutter Gisela, eine geschiedene Hausfrau aus ärmlichen Verhältnissen, bracht zwei ältere Söhne (Günther und Klaus) mit in die Ehe und nach Stephans Geburt folgen noch zwei Mädchen (Carmen und Moni). Der Vater, Karl Heinz, als Kind in einem katholischen Erziehungsheim aufgewachsen, hatte als junger Mann
bereits mehrfach wegen zahlreicher Vergehen im Zuchthaus gesessen. Dem kurzen Bemühen, als Bauarbeiter „solide“ und die 7köpfige Familie ernähren zu wollen, folgte 66/67 der totale Ausstieg und die Flucht in die Unterwelt. Als „Tex Weidner“ begann er eine steile Karriere im Frankfurter Rotlichtmilieu. Gisela Weidner wohnte mit den 5 Kindern in einer 3-Zimmer-Hochhaus-Wohnung am Frankfurter Berg, eines der härtesten Stadtteile in den 70er Jahren. Eine Trabantenstadt, mit hohem Ausländeranteil und viel Gewalt – ein echter sozialer Brennpunkt. Während seine Mutter ganztags in einer Hähnchenbraterei arbeitete, blieben die Kinder in einer Kindertagesstätte oder sich selbst überlassen. Der Umgang mit
Zigaretten, Bier und Prügeleien waren für Stephan ab dem 10ten Lebensjahr an der Tagesordnung, die Schule wurde vernachlässigt, Erziehung fand nicht statt. Mit 15 hatte sich bereits ein so hohes Wutpotential und eine solche Unkontrollierbarkeit entwickelt, dass nicht nur Mitschüler sondern auch Lehrer sich vor ihm fürchteten. Stephan kämpfte permanent, gegen sich und seine Umwelt. Briefe von der Schulleitung an die Eltern blieben
unbeantwortet und so flog er Mitte der 70er zum wiederholten Mal von der Schule. Auch die Überweisung an eine noch niveaulosere Schule brachte keine Besserung, das Endresultat hieß Unterrichtsverbot an allen hessischen Schulen.
1978 musste Stephan zu seinem Vater ziehen, aus dem mittlerweile ein stadtbekannter Bordellbesitzer geworden war. Geld und Fäuste saßen bei ihm locker und auch wenn er seine Familie niemals finanziell unterstützt hatte oder sich hat blicken lassen, fand er die Idee seinen Sohn in der Nähe zu haben durchaus reizvoll. Stephan, mittlerweile 16 Jahre alt, jobbte in der Bar eines Frankfurter Bordells und ging beim Vater in die „Lehre“. Doch obwohl
er alle Voraussetzungen mitbrachte im Rotlichtmillieu Karriere zu machen, ging etwas schief, denn Stephan kam der Punkrock dazwischen.
Ein Auftritt der Sex Pistols veränderte alles. Die Musiker sahen genauso aus, wie Stephan sich fühlte. Jung, wütend, schmutzig, unverstanden, angekotzt, asozial und alleine gelassen.
Mit 16 kehrte er seinem „Zuhause“ den Rücken und schloss sich der Punkbewegung an. Die Leute im Jugendzentrum Bockenheim oder in der „Batschkapp“ wurden zu seiner Familie, bei seinem Vater ließ er sich nur noch selten blicken. 1980 gründete er (mittlerweile 17 Jahre
alt) gemeinsam mit seinen Freunden Kevin Russel (15) und Peter Schowrowsky (16) die Punkband Böhse Onkelz. Während Kevin aus ähnlichen Verhältnissen wie Stephan stammte, war Peter ein ruhiger und gewaltfreier Junge aus einer bürgerlichen Familie. Kurz nach ihrer Gründung hatten sie bereits den Ruf als asozialste Band im Stadtbezirk weg. Sie übertrieben ihren Punkstatus in jeder Hinsicht. Noch lauter, noch dreckiger, noch aggressiver, noch betrunkener, noch mehr Zusammenstöße mit der Polizei als alle anderen Jugendlichen in ihrem Alter. 1981 stieß Matthias „Gonzo“ Röhr (17) dazu und damit hatte die
Band zum ersten Mal ein Mitglied, was überhaupt ein Instrument beherrschte. In dieser Zeit entstand ein Demotape (auf einem kleinen Kassettenrecorder aufgenommen) mit dem gesamten Repertoire von 5-8 grottenschlechten Titeln. Einer davon hieß „Türken raus“, eine Kampfansage an die türkischen Jugendgangs im Stadtteil Bonames und am Frankfurter
Berg. Ein übler Song, keine Frage, der jedoch nie auf einer Platte veröffentlicht wurde. Die Journalisten, die in den späten 90ern diesen Song als „den großen und aktuellen Hit“ beschrieben, kannten weder das Demotape, noch hatten sie den Track jemals gehört. Durch ihre Berichterstattung bescherten sie dem Song jedoch eine übertriebene Aufmerksamkeit und ungerechtfertige Popularität.
Während sich die Szene in den folgenden Jahren durch die verschiedenen Entwicklungen und Einflüsse in England und USA spaltete, waren die 4 Musiker der Band die klassischen Vertreter des harten Punkrocks, nur schlimmer und härter als andere Bands der ersten Stunde. Schmuddelkinder wie aus dem Bilderbuch mit dem entsprechenden familiären Hintergrund. Ungewaschen, anrüchig, schlecht bis gar nicht erzogen, aggressiv, gewaltbereit, und ungebildet. Aber nicht politisch – denn Politik nahm überhaupt keinen
Stellenwert im Leben der Band ein.
In Ermangelung einer elterlichen Erziehung, hatte Stephan früh damit begonnen, sich selbst zu erziehen. Ohne irgendeinen Schulabschluss und ohne finanzielle Unterstützung, war es mit der Schnorrerei in der Punkszene bald vorbei. Stephan hatte begriffen, dass ihm niemand etwas schenkte, und da schon sehr früh Freunde, Freundschaft, Zusammenhalt, Loyalität und bedingungslose Ehrlichkeit zu seinen obersten Prinzipien gehörten, lebte er
noch konsequenter danach. Als er mit 18 seine damalige Freundin heiratete schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Er bemühte sich ein harmonisches Familienleben, wie er es nie hatte, aufzubauen, was nicht immer gelang. Neben seiner Frau fand er in der Band den nötigen Halt und auch die Anerkennung, die ihm bis dahin von seiner Umwelt verweigert
wurde. Mit den Onkelz wollte er einen Weg gehen, der daraus bestand, dass zu machen was man wollte, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, Gefühle durch Songtexte raus zulassen und einfach Spaß haben. Denn wenn es etwas gab, was Stephan Weidner hasste, dann waren das Regeln und Vorschriften. Aber auch in der Skinheadszene gab es Leute die genau das festlegen wollten und die Konsequenz daraus war, dass die Band der Szene den Rücken
kehrte.
Stephan war ein Mensch, der ständig etwas Neues suchte und sich nirgendwo einordnen konnte und wollte. Egal, was man von ihm verlangte, er machte das Gegenteil. Reibung war enorm wichtig. An dieser Reibung mit seinem Umfeld wuchs er und seine Erlebnisse verarbeitete er autobiographisch in den Songtexten. Er wuchs in die Rolle des Bandchefs hinein, war umtriebig und holte seine mangelnde Bildung im Alleingang nach. Was er nicht wusste, las er sich an, was er nicht konnte, lernte er. In solchen Fällen konnte er eine
extreme Zähigkeit an den Tag legen. Als erstmals dann auch noch ein Label anklopfte, die erste Platte aufgenommen wurde und man sich in einem professionellen Studio wieder fand, schien alles in den richtigen Bahnen zu verlaufen. Doch die Labelmacher erkannten nicht nur das Potential der Band sondern witterten einen lukrativen Zugewinn im eigenen Geldbeutel.
So wurde die Band nach eigenen Interessen „vermarktet“, ohne irgendwelcher Absprachen.
Diese Alleingänge der Labels quittierte die Band mit sofortigem Weggang, ohne jedoch vertragsbrüchig zu werden, und wechselte zu anderen Plattenfirmen. Die Fangemeinde wuchs stetig und bestand in den folgenden Jahren weitgehend aus langhaarigen Metallern, aus Skatern, Rockern und einer neuer Punk Generation.
1992 fuhr Stephan, mittlerweile geschieden und strenger Vegetarier, mit seiner iranischen Freundin nach Mexico und widmete sich der Selbstreflextion. Das Ergebnis war das Album
„Heilige Lieder“, das kurz nach Veröffentlichung auf Platz 5 der Charts schoss und 250.000 Exemplare in nur wenigen Tagen verkaufte. In Verbindung mit den damaligen rechtsradikalen Übergriffen in Solingen, Mölln und anderswo, war das Thema „Böhse Onkelz“ nun auf sämtlichen Redaktionstischen. Was in den darauf folgenden Jahren an journalistischen Entgleisungen, Polemik, Kolportagen und Lügen verbreitet wurden, war in dieser Form noch nie da gewesen. Nur eine Handvoll Musikmagazine wagte eine Annäherung, für den Rest der Presse war die Band das willkommene Thema, an dem man
die eigene politisch korrekte Haltung festmachen konnte. Stephan bemühte sich in Interviews um die Richtigstellung, er wich keiner Frage aus und, ganz nach seinem Lebensprinzip, antwortete er absolut ehrlich. Doch wenn man die schlecht recherchierten Fragen schon erstmal berichtigen muss, um dann überhaupt eine korrekte Antwort zu geben, wird schnell klar, dass der Gesprächspartner gar nicht daran interessiert ist, die Wahrheit zu erfahren.
Wenn das Wort also nichts nutzt, sollten Taten sprechen. Nach einer Einladung zum „Rock gegen Rechts“ Konzert, sagte er mit Begeisterung zu, doch die anderen Künstler des Festivals verweigerten Ihren Auftritt, wenn die Band spielen würde. Das Ergebnis: Absage seitens der Veranstalter. Auf Eigeninitiative organisierte er ein eigenes Festival gegen Rechts und spendete die Eintrittsgelder für Opfer rechter Gewalt. Das Ergebnis: Keine
Berichterstattung in den Medien. Die dritte Möglichkeit die Stephan noch blieb, war seine Meinung über die Songtexte zu äußern, in der Hoffnung, das vielleicht damit der ein oder andere verstand, was von den Vorwürfen zu halten war.
„Und hier ein par Worte an die rechte Adresse, leckt uns am Arsch, sonst gibt’s auf die Fresse. Ich hasse Euch und Eure blinden Parolen, fickt Euch ins Knie, Euch soll der Teufel holen. Ihr seid dumm geboren, genau wie ich, doch was ich lernte, lernt Ihr nicht. Ihr seid blind vor Hass, dumm wie Brot, Ihr habt verschissen, Eure Führer sind tot...“
(„Ohne Mich“, Viva los Tioz, Böhse Onkelz 1998)
Doch es schien nichts zu helfen, die Medien hatten ein dermaßen falsches Bild erzeugt, dass sich die Diskussionen um die Band nach wie vor im Kreis drehten. 2005 spielte die Band ihr letztes Konzert, ein zweitägiges Festival unter dem Namen „Vaya con Tioz“, mit 16 Vorbands vor 120.000 Fans. Die davon veröffentlichte DVD erhielt in diesem Jahr den Echo als „Beste
DVD Produktion“ und damit die erste offizielle Auszeichnung seitens der Musikindustrie – drei Jahre nach ihrer Auflösung.
Auch wenn nach wie vor ein verzerrtes Bild über die Band dargestellt wird, waren die Leute schockiert, wenn sie Stephan Weidner persönlich begegneten und feststellen mussten, dass er nicht im Geringsten diesem Bild entsprach. Über 25 Jahre lang hat der Junge ohne Schulabschluss, der Junge, der im Puff wohnte und sich prügelte, an sich gearbeitet. 25 Jahre lang hat er die Böhsen Onkelz angeführt, ist mit wehender Fahne voran gelaufen, hat innerlich gebrannt – nur um auf dem absoluten Höhepunkt des Erfolges das „Ding“ eiskalt zu beenden.
Stephan Weidner hat einen Weg hinter sich, bei dem so mancher kapituliert hätte. Doch sein Enthusiasmus Musik zu machen, seine Geradlinigkeit Emotionen in Worte zu packen und seine unbeugsame Art nach vorne zu schauen, sind ungebrochen. Diese bemerkenswerten Attribute finden sich auf seinem Soloalbum der W. „Schneller, Höher, Weidner“ (VÖ 25.04.08) in einer kompromisslosen Reinform wieder. Gemeinsam mit den Bandmitgliedern von Pro Pain (Gary Mesckil, J.C. Dwyer, Tom Klimshuck, Marshall Stevens), der Sängerin von Skew Siskin, Nina C. Alice, dem Drummer Peter Zettl, dem Gitarristen Rupert Keplinger sowie dem D.A.D. Gitarristen Jacob Binzer, sind 14 Songs entstanden, die auf eine authentische und direkte Art überzeugen. Voraussetzung: Die Bereitschaft zum Zuhören!

„Ich sage das alles laut und klar
Und ich hoff’ es nimmt mich jemand wahr

Ich habe meine Art die Dinge zu seh’n
Eines Tages werdet ihr es versteh’n...“

(„Asche zu Asche“, der W. 2008)